Veloverlad – ein interessante Blog, glaubzmer

19/03/2016

In Wien, wo Bettler neu mich beuteln

Filed under: Unterwegs — Schlagwörter: — Hotcha @ 19:41

In Wien habe ich schon vor Jahren ein Hardcore-Betteln gesehn’, das gibt es so bei uns nicht. Vor allem Flüchtlinge aus dem Irak, noch vor der Syrienkrise also, zeigten Beinstümpfe vor, rollten auf Brettern durch die Strassen, knieten stundenlang auf der Strasse, die Stirn auf dem Asphalt, die Hände nach Almosen ausgestreckt, ein fast unerträgliches Bild. Aber ich sah das vor allem in den türkisch dominierten Ecken, um den Reumannplatz, im Bezirk Favoriten. Dort habe ich natürlich auch immer gewohnt.

Jetzt ist wahrscheinlich die ganze Stadt in ein Netz bettelnder Profis aufgeteilt worden, ich sehe das am deutlichsten hier am Westbahnhof, wo die immergleichen Gesichter an den immergleichen Ecken stehen. Am schlimmsten der Mann mit den total blutunterlaufenen Augen, der für eine Operation bettelt. Am erträglichsten die Frauen mit Kinderbildern, die sie vor sich liegen haben. Weil hier kann man sich sagen, tja, solche Bilder kann ja jede herzeigen. Und man weiss ja, die Bettler sind organisiert, es gibt Bosse, die kassieren, es gibt Reviere, die verteidigt werden, es gibt Bilder aus Rumänien von luxuriösen Anwesen mercedesfahrender Klans.

Genaues weiss man nicht. Vermutet wird vieles. Aber eines ist klar: Für viele dieser Leute ist es die einzige Möglichkeit, einem Leben ohne jegliche Perspektive wenigstens für eine Zeit lang zu entkommen. Heute, beim Betreten einer Bäckerei im Westbahnhof, haut mich ein kräftiger junger Mann an, vielleicht 17 oder 18 mag er sein, er bittet mich um Geld für Essen. Und drin all die herrlichen weissen Backwaren. Lügt er mich nun an? Egal, ich drücke ihm 4 Euro in die Hand. Denn was kann er denn dafür, dass er in die Ecke der Chancenlosen hineingeboren worden ist? Keine Ahnung, ob er sich dann was gekauft hat. Ich habe nicht hingeguckt.

Seit zwei Wochen bin ich in Wien. Am Anfang konnte ich die Bettelei ganz intellektuell wegtun. Mit Argumenten wie oben. Es wird viel geschrieben, viel berichtet über das organisierte Bettlertum. Aber mit der Zeit merkt man, das ist im Minimum eine Art Arbeit, ach, man kann es einfach nicht mehr so wegschieben. Und ich habe mir jetzt angewöhnt, das Kleingeld immer in der Hosentasche mit mir zu führen, die Cents hinten, die Euro vorne, manchmal auch bunt gemischt. Und gebe jetzt sehr oft, manchmal nur wenig, manchmal ein paar Euro aufs Mal. Aber nie aus dem Portemonnaie. Das kommt einfach nicht gut. Aber so habe ich das Gefühl, es kostet mich ja praktisch nichts. Und ihnen hilfts, irgendwie. Sei es, dass sie sich was kaufen können. Sei es, dass sie am Abend nicht verprügelt werden vom Boss. Was weiss ich da schon.

Es hat auch viel dazu beigetragen, dass ich die Stadt teilweise als extrem klamotten- und handygeil erlebe. In der U-Bahn starren sehr oft drei von vier auf ihren Bildschirm, 8 von 10 tragen ihr Smartphone offen in der Hand, sogar beim Gehen wird die Diretissima bevorzugt, man starrt auf sein Gerät, die anderen werden schon ausweichen. Dann natürlich gestylt von den grossen internationalen Ketten mit den immer neu ausschauenden schwarzen Klamotten, den Sneakers, Stiefel, Stiefeletten. Die Haare.

Und dann so junge Männer, wie der vor der Bäckerei.

Von der Gewalt habe ich noch gar nichts erzählt. Man spürt vielerorts eine gruppenspezifische Aggression. Eine typische Szene habe ich auf einem grossen, stark frequentierten Platz in einem Quartier des sozialen Wohnungsbaus erlebt: Sicher zwanzig bis dreissig Polizisten und Polizistinnen, Einsatzwagen, auf dem Platz, in den Strassen um den Platz. Auf dem Platz selber eine ganz unglaubliche Szene, zwei junge Männer werden offenbar von der Polizei gestellt, sie dürfen auf jeden Fall nicht weg. Dabei zwei Polizisten, ich kann nicht aufhören, die anzustarren, ich habe noch nie solche Kraftbündel gesehen, Arme wie Überseekabel, Körper wie Schränke. Und die zwei Jungs stehen da, wippen auf dem Aussenrist, grinsen herausfordernd, alle warten auf etwas, weiter hinten stehen andere Jungs, ihre Kollegen vielleicht. Die zwei haben hier ihren grossen Moment, und die Polizei gibt ihnen die Kulisse dazu. Zwei Züge, die auf dem selben Gleis aufeinander zurasen. Und niemand tut etwas.

Seit ich mit Polizisten gearbeitet habe, ertrage ich es nicht mehr, wenn Kollegen sie Bullen nennen. Seit ich Männer hier beim Betteln gesehen haben, kräftig, im besten Alter, ertrage ich es nicht mehr, dass man ihnen finstere Motive für ihr Tun unterschiebt. Denn Betteln ist gewiss nicht lustig!

Und dann noch diese Kinder ohne Perspektive. Die überforderte Politik.

Ein Pulverfass.

13/03/2016

Comeback in Sicht!

Filed under: Unterwegs — Hotcha @ 13:24

Eigentlich wollte ich ja den Blog einschlafen lassen, da ich mich nicht gelesen fühle. Nun habe ich aber hier in Wien Leser persönlich kennen gelernt, wer hätte das gedacht?

Ich feuere schon mal den Ofen ein, um die eingetrocknete Tinte wieder zu verflüssigen, und suche ein Ladegerät für meinen Akku Canon Battery Pack NB-6LH hier in Wien.

Ich bin in Wien. In der Zwischenzeit empfehle ich schon die ausufernde Berichterstattung des Gastroszeneoriginals Helmuth S., oder soll ich ihn lieber Favoritennostalgiker nennen? Favoriten, für nicht-Wiener, ist ein legendäres Arbeiterquartier und alleine eine Reise wert.

25/07/2015

In den Ferien zum Arbeiten!

Filed under: Musik,Unterwegs — Schlagwörter: — Hotcha @ 19:20

Seit Ende Juni in der Bretagne, das ist natürli super langweilig! Darum habe ich jetzt begonnen, mindestens ein Musikvideo pro Tag aufzunehmen. Hardware: Notebook von HP; Software: Windows Movie Maker. Fantastico.

Zum Beispiel meine Hommagen an Beizen dort:


(Fernando)


(Le Bana)


(Ker-Mounette)


(Le Belem)

Oder einfach Songs für unser neues Duo, Pomodori Castrati:


(Autostrada all’ inferno)


(Fiat Carozza)


(Mia Zia)


Aldo Maccione Pizzaiolo


(Olà Mi)

Und noch ein paar französische, für ein Hochzeit in Bordeaux geschrieben:


(SOS Amour)


(Génération Bérézina)

Wie sagt man doch? Enjoy! And abon me! On Youtube! Please! It goes wider until september, if will be!

25/06/2015

Zwei Tage Regionalzug, dem Velo zu Liebe

Filed under: Fahrradmitnahme — Hotcha @ 15:29

Bin nun also glücklich angekommen in der Bretagne, am Sonntag von zu Hause weg gefahren, in Mulhouse im Hôtel de Bâle günstig übernachtet, um 6:30 von dort aus weiter nach Belfort.

Denkste. Habe den Fahrplan falsch gelesen, ich Schussel – und als ich um 6:22 beim Bahnhof ankomme, fährt der Zug wohl grad ab. 6:20 hätte ich lesen müssen! Der Tag kaputt, der fein ausgewogene Fahrplan bis hinauf im Eimer.

Zum Glück aber war im Fahrplan unnötigerweise etwas Luft genau für diese erste Etappe. Der nächste Zug bringt mich tout juste in Belfort in den nächsten, vorgesehenen Zug, den nach Lyon. Eine alte kaputte Schüssel war’s, drin schon mehrere Bikes reingebeigt, und dann komme noch ich mit meinem Rad plus Anhänger. In der Schweiz wäre der Kondi durchgedreht.

Hier geht alles glatt. Andere Radfahrer helfen mir mit dem Gepäck, ich zuerst schwer am rotieren und um mich schlagen, um ganz sicher mitzukommen. Schweizer Reflex, ist mir dann so peinlich. Irgendwie sind wir alle drin. Kontrolle kommt erst in der Mitte der mehrstündigen Strecke, aber nicht, um zu kontrollieren, sondern um mitzuteilen, wir müssten dann in Besançon umsteigen, ausser Plan, Rollmaterialproblem. Die Franzosen rüsseln, für einmal behalte ich hier die Ruhe. Und spiele mal ein erstes Lied, um mein Repertoire anzutesten. Das Foto zeigt, es kommt gut an.

Im Zug im Veloabteil

Veloabteil Frankreich

Ab Lyon dann mehrere Stunden, wieder Regionalzug, bei Bourges vorbei, urbane Athmosphäre hier. Eine junge Frau steigt ein, in ihr Telefon ranzend, mit schlagenden Argumenten wie ‘bla bla bla’ und ‘patati patata’ offenbar einer Trennung hinterher weinend, eine ganz frische, denn ‘ich habe keine Kleider, nur was ich grad auf dem Leib trage, kein Geld’. Extrem. Widerlich. Setzt sich eine blonde verdorrte Späthippie neben sie und redet auf sie ein, erzählt von einem Buch und zeigt es, eine Missionarin auf Seelenfang, ganz klar. Die Frau weint. Nicht mehr widerwärtig, sondern sie tut mir leid. Die Missionarin lässt nicht locker. Redet auf sie ein.

Ich greife wieder zur Gitarre, und mit grösster Sorgfalt instrumentiere ich herum, sogar mir gefällt es, sie lächelt, ha, Kitschalarm hier. Sicher eine Stunde geht das so weiter, bis ich aussteigen muss, wir winken uns zu, die Missionarin habe ich jetzt hoffentlich ausgebremst. Widerliches Pack!

So geht das weiter bis Nantes, wo ich übernachte. Eine unterschätzte Stadt. Mein Hotel Renova mitten in einer kleinen Ausgehmeile mit alten Beizen, jungen Leuten und viel Alkohol, irgendwie Altstadt. Ich verdiene mir etwas Bier und gehe dann zur Nachtruhe. Unten dröhnt es weiter, mir gefällt’s.

Am Morgen dann sehe ich eine extrem velofreundliche Stadt, und das in Frankreich. Velopiste auf der Mitte der Fahrbahn, zwischen der linken und rechten Spur, sauber abgetrennt, hochsicher. Frauen bringen ihre Kinder im Kübelbike zur Schule. Wirklich, da würde ich hinziehen können. Vielleicht beim Essen Abstriche machen, es ist nicht ganz günstig, nicht ganz gut. So vom Schiff aus, natürlich.

Weiter noch nach Quimper, dreieinhalb Stunden. Und dann kommt’s: Ich habe schon letztes Jahr vom Busfahrer die Auskunft erhalten, Velos nehme er dann keinesfalls mit. Und ich jetzt sogar noch mit Anhänger. Ich folge dem signalisierten Veloweg bis zur ersten Beiz, ein feines Poulet Tajine mit Semoule, und von da an ist nur noch Inferno. Die Signalisation verliert sich, grad als ich mitten im Berg stecke. Die Hügel nehmen kein Ende, sind sie nicht in meiner Richtung, dann in der entgegengesetzten – die, welche ich dann beim Rückweg zu nehmen habe. Gute drei Stunden für rund 30 Kilometer, schweissgebadet komme ich in Plobannalec an.

Und von hier aus gibt es nichts mehr zu berichten. Die Zelte stehen, die Songs kommen, über zwei Monate will ich bleiben.

Kann allerdings sein, dass der Verkauf meiner Wohnung an einen ‘Investor’ mir einen Strich durch dir Rechnung machen wird. Zwei Tage vor Abreise hat die Städtische Liegenschaftsverwaltung mir mitgeteilt, dass sie für die angenehme Zusammenarbeit danke und mir vom neuen Besitzer dann das Konto für die Mietzahlungen mitgeteilt würde. Tja, dann bin ich aber nicht mehr zu Hause. Ein Mail an die Adresse, die auf seiner Webseite steht, kommt unzustellbar zurück.

Ich mache mir Sorgen. Aber das ist dann für Morgen. Jetzt ist Now.

Jetzt wird täglich gegessen. Im Le Bana, Plobannalec.

Au Bana à Plobannalec

C’est où là où j’ai perdu ma tête

Quand j’avais de leur moules

Et avant des andouilles

Le Bana Le Bana on mange trop bien Au Bana Au Bana Au Bana on mange trop bien Au Bana

 

Je pense que Dieu était breton

Et il habitait ici en-haut

En-dessus du bar du Bana

Et il se réjouissait tout le temps

 

Du Bana Du Bana on mange trop bien au Bana ….

 

Nous en Suisse nous avaz

Nous avaz le Roger (Federer)

Vous ici vous avaz

Vous avaz Le Bana

 

Le Bana, le bana, on mange ….

15/06/2015

Spucke ist weg, Titel im Dreck

Filed under: Verkehr — Hotcha @ 09:27

Die junge Frau im schicken Hipster-Alternativlook aus dem Bieler Prenzlauer Berg lässt ihre Kinder bestimmt nie ohne Helm auf ihr Kinderbike. Und wahrscheinlich wäre im Unfallbericht gestanden, der Velofahrer war ohne Helm unterwegs, untertönend, ihr wisst schon, halt auch ein wenig selber schuld.

Diese Einfahrt dort in eine Bieler Hauptverkehrsachse scheint viele Autofahrer vor Probleme zu stellen, früher war dort sogar Vortritt signalisiert für jene, die von oben einbogen, was zur Folge hatte, dass die Altstadt zum Schleichweg für die Stadtdurchquerung wurde. Dieser ist nun nach sehr langen Kämpfen der Anwohner nur noch beschränkt befahrbar, der Vortritt für die Schleicher wurde endlich aufgehoben, eine Ampel installiert, allerdings nicht für die Einbieger. Die Ampel regelt den Verkehr auf der Hauptstrasse. Die Einbieger können also, unbehindert von Wartezeiten, entweder die Rotphase der Ampel nutzen oder einfach eine Lücke im Verkehr abwarten.

Hier wäre fast Schluss gewesen mit dem Leben, wie ich es kenne. Gopfertami!!!

Hier wäre fast Schluss gewesen mit dem Leben, wie ich es kenne. Gopfertami!!! Die Frau ist sicher gegen AKW… aber dann selber GuckindieLuft – sie sollte das Auto abgeben, bevor was passiert, ganz im Todernst! Selbstgerechtes Pack! Bin ich ungerecht? Fast tot, das bin ich! Fuck! Diese Mama-Taxis gehören geächtet, jetzt. Kind im Hort, Hotcha tot.

Jedesmal, wenn ich dort vorbeifahre, bin ich extra vorsichtig und rechne damit, dass so ein Anwohner des besseren Quartiers dort oben aus lauter Gewohnheit einfach mir vor den Lenker fährt, schaue also wenn möglich dem Fahrer in die Augen. Heute aber, bei Regen, waren keine Augen zu sehen, aber dass der Fahrer weiterfuhr, obwohl ich nun genau vor seiner Kühlerhaube mich befand, das merkte ich sofort, konnte einerseits nach links in die Strasse hinein ausweichen, andrerseits konnte der Fahrer im letzten Moment bremsen, war aber schon deutlich in meiner Spur drin.

Vom Rad springen, zurück zum nun stehenden Fahrzeug, zweimal ein Schimpfwort aus dem Tierreich in das nun heruntergedrehte Fenster geworfen, und “ich bin auf dem Weg in die Ferien, ich bin jetzt 64, mein Leben wäre kaputt gewesen”, und dann sehe ich erst, dass es sich nicht um einen Rowdy handelt, sondern eben, wie oben beschrieben, um eine junge Mutter aus der besseren Wohngegend da oben, im Familienvan. “Es tut mir leid”…. Was will sie sonst schon sagen? Vielleicht “meines aber auch”?

Meine Güte.

PS: Habe eine Facebook-Gruppe gegründet, Mammataxis ächten jetzt. Keine Ahnung, was das dann macht, so eine Facebook-Gruppe, ich glaube, die kommen dann in der Zeitung, wenn es grad so in Linie des Artikels passt. Dafür sind sie glaubs da.

11/06/2015

Lachsack

Filed under: Fahrradmitnahme — Hotcha @ 06:31

Gepäck

Lacht der mich etwa aus? Weil ich da Gepäck für 3 Monate reinmachen will?


Noch eine gute Woche, und weg bin ich. Melde mich dann aus der Bretagne wieder.

08/06/2015

Living on a diet – of procrastination La La La

Filed under: Essen,Musik — Schlagwörter: , , , , — Hotcha @ 09:59
Algues

Algen mit Textstückli

In zwei Wochen sitze ich schon im Zug nach Nantes -> Quimper -> Plobannalec, kann man ja weiter unten alle Details lesen. Ich hätte sicher noch einige Hände voll zu tun: Rechnungen stellen, die seit einem oder gar zwei Jahren zu machen sind (!); Rechnungen zahlen, um Betreibungen während meiner fast dreimonatigen Abwesenheit zu vermeiden; Anträge stellen, aus Gründen; ein Notebook bei Kunde S. fertig einrichten, Office 2013 beschaffen; Fäden rausnehmen am Dienstag um 10:00 Uhr; Untermiete abrechnen; was noch? Werde das dann hier nachtragen, schliesslich ist das ja mein Blog, kann ich machen, was ich will – erfinde ich doch mal das dynamische Posting.

Immerhin, die Wohnung ist praktisch aufgeräumt, nur ein Stapel von vielleicht 300 LP wartet noch auf ein freies Brett im Regal.

In der Bretagne ist dann fertig mit meinen chinesisch empfundenen Hausspezialitäten, dann gibt es nur noch Meeresgetier, Schafshälse und -Innereien, das tägliche Menu Ouvrier im Le Bana, zwischendurch die Monsterpizza im Big Pizza; Bier, Internetstation und herber Service im Pub Le Galion, das füllt des Menschen Tag schon ganz gut aus.

Nun also noch zwei Wochen China Cuisine. Gestern das Nachbarschaftsessen, zu viert, mit

  • Quallensalat, im Packerl aus Wien mitgebracht
  • Algensalat, die Algen habe ich sicher schon seit 10 Jahren im Schrank, jetzt sind sie aus
  • Streifen vom gedämpften Huhn an Chiliöl
  • Litschies, frisch, vom vietnamesischen Thai-Laden Dom Nang in Biel, erstklassig
  • pikant eingelegter Ingwer aus dem Glas von Reishaus Heerbrugg
Petits plats

Ein Ausschnitt aus einem Gesamtwerk – Algen, Quallen, Huhn etc

 

Das also die ‘Vorspeisen’. Danach der Mapu Tofu, hier schon mehrmals abgefeiert, durch die Zutaten schon ein sicherer Wert, mit tüchtig Hackfleisch vom Metzger Luginbühl, ein häufiger Gast hier auf meinem Velofahrerblog, dabei fährt der ja Auto. Und als Dessert dann etwas neues, Mungbohnen in Kokosmilch, Rezepte gibt es zu Hauf hier im Netz und das Prinzip ist immer dasselbe. Die Bohnen werden in Wasser gekocht, so um die 20 Minuten, mit viel Tapiocamehl und Wasser zu einer dicken Paste vermengt, kräftig gezuckert, so im Verhältnis 3:1, schätze ich. Ziemlich Freestyle. Ein praktischer Abschluss, einfach zu machen, günstige Zutaten, füllt noch den hinterletzten Winkel des Gastes Magen.

Mung Bean Dessert

Mung Bean Dessert

Nicht mal Reis hat es dazu gebraucht, wenn anfangs auch lange Gesichter danach fragten -

Konfuzius sagt: Gewohnheiten sind dazu da, durch Nichtbefolgen bewusst zu werden.

Sogar in gemeinsamem Singen haben wir uns ergötzt, ich muss ja für meine Frankreich-Tournee noch Versatzstücke sammeln. Aurélie, 7 Monate alt, hatte am meisten Freude an

Je Bordeaux, tu Bordeaux, Montélimar plein de coquelicots.

Kinder, halt. Kein Sinn für Sinn. Da muss dann schon noch was mit Aussage hin, wie eben

Génération Bérézina, pas de vacances à Ibiza

Pas non plus Ténériffa, crévés dans la glace de la Bérézina

Napoléon Il n’est pas là – Est-ce que c’est sa faute je ne sais pas

Que tous ces Suisses sont à plat – dans les puits de la Bérézina.

Bérézina, ein grandioses Motiv. Städtesongs, ein massiver Spass. Ich kann es kaum erwarten.

Aber bis dahin heisst es: Nun an d’Seck! Oben steht, welche es sind.

 

Qualle

Qualle, essbare Bestandteile

Statt dessen – die Prokrastination endet nie, ist allerdings ergiebig:

Ein Song wird geshanghait!

04/06/2015

Apokryphe Pianistinnen der Wiener Klassik und überhaupt

Filed under: Musik — Hotcha @ 17:57

Dieser Beitrag wurde durch Sponsoring ermöglicht, Endre hat mir dafür durch seine Frau ein Bier bezahlt.

Grad erst vor ein paar Tagen habe ich unzweifelhaft festgestellt, dass die Platte für die Einsame Insel auf einem tausendfach verramschten Billiglabel erschienen ist, dessen Produktionen seit Jahren die Brockenhäuser verstopfen. Ein absoluter Glücksfall jetzt für die Leser und Lesenden dieses Blogs. Denn jetzt holts euch wieder den Plattenspieler vom Estrich, zehn oder zwanzig Franken in Sack und rüber ins nächste Brockenhaus – ihr werdet garantiert fündig!

Dass die Klassikproduktion der 50er und 60er Jahre aus mehr als Karajan, Rubinstein und Deutsche Grammophon besteht, das schreibe ich jetzt da schon mal hin, damit ihr auch sicher weiter lest.

Es trug sich also zu, dass ich beim Aufräumen auf ein Dreierpack CD von Brilliant Classics stiess, die ich ganz offensichtlich einfach des tiefen Preises wegen mal im Vorbeigehen gekauft. Arthur Grumiaux und Clara Haskil, Ludwig van Beethoven (1770-1827) Violin Sonatas Complete, Recording Vienna 1956/57, Licensed from Decca Music Group. Dann habe ich mir die mal angehört und war von der ersten Sonate weg hin und weg. Violinsonaten, das habe ich nicht gewusst, sind, vor allem bei Ohrenmerk aufs Klavier, so wie Katharina Jung.

Hä?

(Eben die, die mir via “Dein Whats-app-Nachrichten Serviceteam” ein Mail schrieb: “ich bin echt total gei[...]” (Nachricht durch das Serviceteam gekürzt).)

Klavier ist das perfekte strukturierende Instrument, ich könnte da stundenlang zuhören. Geige brauche ich eher nicht.

Dann kam die Sache mit der “Discothèque idéale de Diapason” mit Mozart’s Kammermusik (kommt jetzt da eigentlich noch der Apostroph, man weiss es fang’s überhaupt nicht mehr, ihr Nail’s Studio’s!!!). Die hatte ich, widersprüchlicherweise, gekauft, um mir die Streichquartette des Juilliard Quartet anzuhören, hochgelobt überall. Ich glaube aber, ich habe das bis heute noch nicht getan, denn ich blieb bei Lili Kraus hängen, die dort mit Triosonaten umfangreich vertreten ist. Und die haben mich wieder gepackt, wie vorher die ungleich berühmtere Clara Haskil, weiter oben.

Und dann ist mir siedendheiss, ich lüge nicht, eingefallen, dass ich doch mal mehrere Platten einer Lili Kraus im Brockenhaus gekauft und bei einem Aufräumen wieder zurück gebracht hatte – wer ist denn schon Lili Kraus, zudem waren sie erst noch auf einem Billiglabel, das sah man sofort. Nicht mal angehört habe ich sie mir, oder höchstens an mir vorbeirauschen lassen. Habe dann, sofort, die Brockenhäuser abgeklappert und auf Anhieb mehrere ihrer Platten wieder gefunden. Offenbar bin ich nicht der einzige, der sich vom äusseren Schein trügen liess. Habe seither auch festgestellt, Lili Kraus gehört zum festen Bestand jedes Brockenhauses. Ein Glücksfall.

Lili Kraus spielt Mozart, Mozart, Mozart, auch Beethoven und Schubert, aber vor allem Mozart. Pianosonaten, Violinsonaten, Trios, Klavierkonzerte, aber auch die Violinsonaten Beethovens hat sie komplett aufgenommen – und alles passt perfekt. Ein Kritiker irgendwo im Netz schrieb was von, ach, ich muss das direkt zitieren: “Lili Kraus, c’est d’abord un jeu élégant et sensible, avec un sens exceptionnel de l’équilibre; un pianisme sans chichi, sans manière, sans prétention, toujours simple mais néanmoins jamais dépourvu de vitalité et d’imagination. Avec un sens de la nuance et une musicalité jamais prise en défaut, elle nous transmet une indicible passion : celle de la vie, du naturel, de la poésie, celle du plaisir musical indéfectible.

Merveilleuse Lili Kraus, qui jouait avec son coeur au bout des doigts (comme Clara Haskil avec son âme, pour reprendre une formule de l’un de mes précédents commentaires). Un coffret qui s’inscrit donc en indispensable pour tout amateur de piano. ” Das in einer Kritik des Muss-man-unbedingt-haben-Koffers “Lili Kraus – The Complete Parlophone, Ducretet-Thomson, Les Discophiles Français Recordings”. Der Koffer ist nicht nur extrem umfangreich, sondern auch sehr gut gemastert, ohne die Artefakte, die häufig beim Entrauschen entstehen und die Instrumente dann wie einen Synthesizer klingen lassen, sogar die Vorkriegsaufnahmen, 78-tourig, klingen superb, das Grundrauschen des Schellack wurde nicht zu Tode unterdrückt. Der Koffer war übrigens früher billiger, 37 Euro, bei diesen Boxen darf man nicht zuwarten.

Eine umfangreiche Biografie liegt der Box bei, sogar noch mit Literatur- und Quellenangaben. Ich kann hier nicht noch die Biografie referieren. Aber eines festhalten: Lili Kraus kommt aus Ungarn, über Österreich und Holland nach Java, wo sie während des Krieges mit ihrer Familie, zwei Kinder, ein Mann, interniert wird. Nach dem Krieg dann sind die Stationen Australien und die USA, wo sie bis zu ihrem Tod 1986 lebt, aber immer noch auf Konzertreisen geht, doch sie ist typischerweise eben auch Lehrerin. Bei einem Familien- kann man sich ein Nomadenleben à la Rubinstein auch schlecht vorstellen. Ihre Aufnahmen erscheinen in den 50er und 60er Jahren vor allem auf den Billiglabels der Schallplattenclubs, MMS, Vox, die Ableger in mehreren Ländern Europas und natürlich den USA haben. Riesenauflagen sind das, mit dem Geschmäckle des Ramsches, siehe meine oben geschilderten Vorurteile. Welche Blamage für mich.

Ich habe dann das Genre weiter verfolgt. Und bin auf Annie Fischer gestossen. Keine lange Rede jetzt mehr, auch sie ist vor allem eine Interpretin der Wiener Klassik, hat aber viel weniger Aufnahmen gemacht, ganz einfach, weil sie das nicht gemocht hat. Ich glaube, für sie gilt dasselbe wie für Lili Kraus – unprätentiös, ‘Straight Edge’-Klassik sozusagen. Und dann ist mir plötzlich Ingrid Haebler wieder eingefallen. Auch sie findet man oft in den Brockenhäusern, auch sie spielt vor allem Mozart, etwas Schubert und dann noch die Violinsonaten Beethovens. Der schwarze Riesenkoffer von Ex Libris mit allen Klavierkonzerten Mozarts vor allem ist ein Grossod, man findet ihn nicht ganz so häufig, aber wenn, dann ist er wie neu. Ex Libris, typisch, da wurde oft wie wild eingekauft – und dann in den Schrank gestellt. Kurz, den Koffer mit glaubs 11 LP habe ich tatsächlich gefunden und gekauft. Den Rest dann bei Youtube in guter Qualität. DownloadHelper ist dein Freund!

Liest hier noch jemand mit?

Ich erwähne noch im Vorbeigehen die Französin Marcelle Meyer (Scarlatti, Rameau). Die gehört da sicher mit rein in diese Garde der zu Unrecht etwas vergessenen Pianistinnen. Und insbesondere die Russin Maria Yudina, eine ziemlich grimmig dreinschauende Frau, die sich nicht der Gnade Stalins erfreute, heisst es, aber als Klavierlehrerin überleben konnte. Das mag jetzt Mythomanie sein, googelt selber mal rum, meine Zeit ist um, aber ich empfehle noch von ihr die Bach-Bearbeitungen des durchgeknallten Franz Liszt, das gab es mal in den Russenarchiven von Brilliant Classics, heute wahrscheinlich unbezahlbar.

Für alle hier aufgeführten Namen gilt:  try Youtube. Denn meistens handelt es sich um historische Aufnahmen, der Unterschied zwischen CD und MP3 ist hier eventuell zu verkraften. Müssts selber wissen. Ich poste die Sachen lieber – bei Amazon.fr.

Verfolgt übrigens auch immer die Querverbindungen, die sich jeweils auftun. Ein eigenes Universum, diese historischen Aufnahmen – oft ziehe ich sie den zeitgenössischen vor, die mit Klarheit langweilen und mit spitzen Höhen nerven.

15/05/2015

Bretagne mit Velo : Der Billetkauf

Filed under: Fahrradmitnahme — Schlagwörter: , — Hotcha @ 13:21
Billet von Basel nach Quimper

Drei Seiten Billette von Basel nach Quimper

Letztes Jahr habe ich viel Zeit damit verbracht, Klarheit über die Fahrpläne in die Bretagne zu schaffen. Keine einfache Sache, das. Gut, TGV über Paris, das kann jeder. Aber wenn man mit Velo und Anhänger unterwegs ist, dann wird alles sehr schnell sehr vage. Bei der SBB kann man sowieso keine Auskunft erhalten, wahrscheinlich haben die dort nicht mal Zugriff auf die Fahrpläne der Feinverteilung. Und fragt man nach Veloverlad, wird man an den Güterversand verwiesen. Alles sehr frustrierend.

Letztes Jahr habe ich in Nantes einen deutschen Velofahrer mit Anhänger angetroffen und sofort abgeschöpft. Aber der meinte nur mit beneidenswerter Sorglosigkeit, das sei überhaupt kein Problem, einfach einladen, das Zeugs. Nun, da es aktuell wird, konnte mich diese Nonchalance nicht wirklich beruhigen. Und so habe ich nach einem SNCF-Reisebüro Ausschau gehalten. Mit diesen habe ich in der Bretagne oben sehr gute Erfahrungen gemacht, die nehmen sich wirklich Zeit und geben sich Mühe, auch wenn sie dann nicht wirklich helfen können. Sonderwünsche wie praktikable Velomitnahme sind einfach nicht mehr vorgesehen bei unseren Bahnen.

Unter Prise de rendez-vous kann man bei einem SNCF-Reisebüro einen Termin erhalten. Ich habe das getan und bin begeistert. Das nächstliegende ist in Mulhouse, musste also 40 CHF rausrücken, total vier Stunden Zug fahren, aber das machen wir ja gerne.

Um 09:50 komme ich an und suche schon mal den Schalter, wo ich um 10:20 erwartet werde. Sehe einen grossen Schalterraum und eine wahnsinnig lange Warteschlange. Über diese typische Erfahrung habe ich ja schon mal geschrieben hier, damals wusste ich aber noch nicht, dass das der Normalfall ist. Und mitten im Raum ein Pültchen für die eingeschriebenen Kunden wie mich.

Lungere dann noch ein wenig um den Mulhouser Bahnhof herum, die Krise lugt aus jeder Ladentür, jeder Bar. Weit und breit keine Bank, um Devisen zu wechseln. Muss ich halt hoffen, dass ich mit den rund 250 Euro im Portemonnaie hinkomme oder am Bahnhof wechseln. Und mit Essen wird dort auch nichts sein, nur Schnellfutter wird angeboten, furchtbar. Werde dann auf dem Rückweg noch in St-Louis im De la Poste vorbeischauen müssen.

Pommes und Rippen im De La Poste in St-Louis

Mittagessen im De La Poste in St-Louis

Punkt 10:20 tauche ich dort wieder auf, die Schlange ist noch (oder wieder?) genau so lang. Kommt ein Herr aus einem Hinterzimmer, führt mich an einen Schalter und nimmt sich dann während rund 50 Minuten meines bizarren Wunsches an: Mit dem Fahrrad und Gepäck in die Bretagne, aber ohne TGV, und bitte nicht über Paris. Die Vorstellung, am frühen Nachmittag mit Velo und Anhänger über die Pariser Boulevards den Bahnhof zu wechseln, die schreckt mich doch gar zu arg.

Diese Sorge hätte ich mir eh nicht machen müssen. Er meint nämlich, mit soviel Gepäck sei eine Mitnahme im TGV unmöglich, es blieben nur Regionalzüge, und auch diese seien nicht alle geeignet.

Dann macht er sich hinter seinen Computer, sucht, druckt, stellt zusammen, rechnet, sucht wieder – verspüre ich im Rücken wirklich die dolchartigen Blicke aus der Warteschlange? Muss meine gutschweizerische Herr-Schüüch-Neurose sein, die mich in die Irre führt.

Um 11:06 werden dann die Billette ausgedruckt, Stücker drei braucht es für mich, mit Abfahrt in Basel um 05:37, mit fünfmal umsteigen und einer Übernachtung in Nantes, weil es nach 20 Uhr nicht mehr weiter geht. Und am nächsten Tag Ankunft in Quimper, grad schön zum Mittagessen.

Was mich dort erwartet, weiss ich schon. Quimper-Lesconil wird durch Regionalbusse bedient, aber der Velomitnahme verweigern sich die Fahrer. Werde ich also die rund 30 Km pedalen müssen.

Kostenpunkt: 65.30 Euro + 60 Euro für die ein Jahr lang gültige Carte Sénior, die ‘des rabais importants sur tous les trains’ ermöglicht. Die Rückfahrt vom 6. September konnte noch nicht reserviert werden, aber die Fahrpläne habe ich schon.

Soll das mal einer besser machen.

Bitte frei halten

Notausgang frei halten, auch am Wochenende

Notausgang

Notausgang, frei gehalten?

13/05/2015

3 Monate Bretagne – ab 22. Juni

Filed under: Fahrradmitnahme — Schlagwörter: — Hotcha @ 11:49
Schlafsäcke, Zelte für meine Bretagne-Reise

2 Schlafsäcke, 2 Zelte, 3 Monate Bretagne

Bald geht’s ab, Veloverlad nach Quimper in der Bretagne. Billet und Fahrplan habe ich schon. Später mehr darüber.

Fast 3 Monate zelten, das kann man entweder maximal oder minimal vorbereiten. Ich habe mich schlussendlich für die Minimallösung entschieden, die ist schon aufwendig genug, zum Beispiel musste ich für das Billet nach Mulhouse fahren. Aber davon später mehr.

Das wichtigste ist bestimmt das Zelt, denn die sind auch in Frankreich teuer, ist also nix mit vor Ort dann kaufen statt aufwändig transportieren. Ein leichtes Tunnelzelt von McKinley hatte ich schon, aber für drei Monate ist das dann schon ein bisschen frugal. Und so habe ich das Angebot von Sherpa Outdoor entdeckt, ein Kuppelzelt unter 3 Kilo für unter 400 Franken, Quattro Stagioni.

Und so habe ich nun das gröbste schon zusammen: einen Daunen-, einen Polyesterschlafsack (man braucht zwei in der Vor- und Nachsaison dort); eine moderne Luftmatratze hatte ich zum Glück im Estrich, überraschenderweise; zwei leichte Zelte, eines zum ‘Wohnen’, eines für das Gepäck. Werde das aber noch testen, vielleicht langt ja eines, hängt noch von der Menge Gepäck ab wie: Gitarre, einiges an Schuhen, ein paar wenige Kleider, Wasserkocher. Sonnenschirm, Grill, Kaffeemühle, Campingtisch und -Stuhl werde ich dann dort an einem der zahllosen Flohmärkte und Vide-Greniers kaufen, wie schon letztes Jahr, da hatte ich den schönsten Sonnenschirm am ganzen Strand, 60er Jahre aus Baumwolle mit farbigen Troddeln dran.

Also, später mehr über Fahrplan und -Schein, Velo und Anhänger.

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