{"id":693,"date":"2013-10-30T08:03:59","date_gmt":"2013-10-30T08:03:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.veloverlad.ch\/?p=693"},"modified":"2013-11-01T07:33:04","modified_gmt":"2013-11-01T07:33:04","slug":"griessbrei-in-st-louis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/?p=693","title":{"rendered":"Griessbrei in St. Louis"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"bildeli\/delaposte.jpg\" class=\"alignright\">Darmbakterien, MRSA-Erreger (im Volksmund auch Spitalk\u00e4fer &#8211; multiresistente Bakterien), dann aber auch Hundescheisse, Sp\u00f6ifer, K\u00f6derlig, Gr\u00fcne &#8211; das tummelt sich alles auf den B\u00f6den unserer Z\u00fcge. Deshalb solle man niemals eine Tasche auf den Boden stellen, die dann sp\u00e4ter auf St\u00fchle gelegt, aufs Bett geworfen, auf einen Tisch gehoben wird. Irgendwie einsichtig und doch \u00fcberraschend, oder nicht? Wer denkt denn schon an sowas?<br \/>\n<img src=\"bildeli\/stlouis_fini.jpg\" class=\"alignright\"><br \/>\nVis-\u00e0-vis von mir, die Dame im Basler Tr\u00e4mli inspiriert sich sichtlich vom Daig, also den oberen paar Dutzend der Basler Bourgeoisie. Soll ich es ihr wohl sagen? Da nimmt sie aus ihrem S\u00e4ckli ein Heft &#8222;NZZ Residence&#8220; hervor, ganz offensichtlich die gehobene Variante von &#8222;Sch\u00f6ner Wohnen&#8220;. Sie w\u00fcrde besser &#8222;Heim und Keim&#8220; lesen, vielleicht stellte sie dann ihr \u00fcber alle Massen gediegenes Papiert\u00e4schli aus der Edelboutique Irgendwas, Paris nicht auf den Fussboden.<\/p>\n<p>H\u00f6sch!<\/p>\n<p>Ich verfahre immer noch mein 2-Wochen-Ferien-GA &#8211; heute wollte ich mal ganz ganz fr\u00fch auf die Piste, um 6 Uhr war ich schon am Bahnhof und in einen Bummler nach Neuch\u00e2tel-Yverdon-Morges gestiegen. Nur hatte ich dummerweise meine ganzen Ger\u00e4te nicht aufgeladen \u00fcber Nacht, und in diesen Z\u00fcgen wird mit Steckdosen noch gegeizt. Ich fand jedenfalls keine. Und musste deshalb in Neuch\u00e2tel aussteigen, um einen Zug mit Aufladem\u00f6glichkeit zu finden. Das war nicht ganz einfach. In allen Regionalz\u00fcgen: Kein Strom.<\/p>\n<p>Und so landete ich dann in Basel, frisch aufgeladen. Immer noch in aller Fr\u00fche. Wohin jetzt? Ins Tram nach St. Louis, grad an der Grenze. Noch eine halbe Stunde Fussweg, und man steht mitten im irgendwie els\u00e4ssischen St\u00e4dtchen. Grad hinter der Grenze regiert noch der Depro, geschlossene Restaurants, ein paar Bewohner f\u00fchren ihren Hund aus, meist nur notd\u00fcrftig bekleidet, im Trainer, hinten drauf steht noch &#8218;Novartis&#8216;.<br \/>\n<img src=\"bildeli\/stlouis_entree.jpg\" class=\"alignleft\"><br \/>\nIm St\u00e4dtchen ein richtig sch\u00f6ner Buchladen mit Papeterie, Filmen, CD, eine gute Auswahl. Sie hebt sich angenehm ab von den Panikbuchl\u00e4den in der Schweiz, die mit Engels- und sonstiger Esoliteratur zu \u00fcberleben versuchen. Im Inneren Zettel, man solle sie doch durch Eink\u00e4ufe unterst\u00fctzen, sie w\u00fcrden bald von ihrer Kette ausgegliedert und durch die Angestellten \u00fcbernommen, Eink\u00e4ufe sicherten Arbeitspl\u00e4tze. Fast w\u00e4re ich eingeknickt und h\u00e4tte die Memoiren von Salman Rushdie gekauft, aber die franz\u00f6sische \u00dcbersetzung kann mich nicht richtig packen. Oder George A. Romeros &#8218;Zombies &#8211; The Dawn Of The Living Dead&#8216; f\u00fcr nur 9.99 \u20ac stelle ich wieder zur\u00fcck ins Regal &#8211; jetzt habe ich den doch grad vor ein paar Tagen anderswo gefunden.<\/p>\n<p>Stunden scheinen vergangen &#8211; ich komme an einem els\u00e4sser Markt vorbei und kaufe frisches Gefl\u00fcgel, um dann aber endlich am Ziel meiner W\u00fcnsche anzulangen: Eine richtige franz\u00f6sische Beiz, ein Wirtshaus, Leute sitzen draussen an der Sonne, weitere bilden eine kleinere Traube am Tresen. Da will ich essen, auf der Tafel steht auch Osso Bucco angeschrieben.<\/p>\n<p>Eine hohe Decke, ein recht grosser Saal, effiziente Damen im Service und ein imposanter Wirt, der die meisten G\u00e4ste pers\u00f6nlich begr\u00fcsst. Es ist 11 Uhr, die Tische werden f\u00fcr das Mittagessen gedeckt, der riesige Flachbildfernseher mit dem Regionalprogramm angeworfen, zwischendurch ein Schw\u00e4tzchen mit einem der G\u00e4ste, die immer mal wieder zum Rauchen auf die sonnige Terrasse raustreten, alle schon \u00e4lter, dem Ap\u00e9ro zugetan, die Jacken\u00e4rmel gern auf Halbmast raufgekrempelt, der frischen Herbstluft zum Trotz. Das ist das Restaurant La Poste in St. Louis, Frankreich &#8211; in komfortabler Gehdistanz vom Basler Zoll.<br \/>\n<img src=\"bildeli\/stlouis_menu.jpg\" class=\"alignright\"><br \/>\nDas wird hier jetzt zu lang, Essen kennen wir ja alle, ihr wisst unterdessen auch was ich gern habe: Alles was aufwendig lange gekocht oder gebraten oder geschmort werden muss. Hier bin ich voll auf meine Rechnung gekommen: Das Entr\u00e9e war ein Krudit\u00e4tsteller mit ausgezeichnetem Schinken, und dann der Hammer: Osso Bucco, etwa 4 der Pfoten, lange geschmort, schon fast ein wenig karamelisiert, und dazu Semoule de bl\u00e9, Griessbrei! Aber so wunderbar fein, ein wenig wie Polenta, aber cremiger. Eine \u00dcberraschung, ja eine Inspiration.<\/p>\n<p>Wieder mal <a href=\"http:\/\/lattner.swisswhosting.com\/bernerkochbuch\/bernerkochbuch.pdf\" target=\"_blank\">Das Kochbuch f\u00fcr den hauswirtschaftlichen Unterricht<\/a> aus dem Regal ziehen. Unbedingt.<\/p>\n<p>PS: habe das im Migros Restaurant Grenchen fertig geschrieben, zwischen zwei Z\u00fcgen. Als ich den letzten Schluck Kafi runtersch\u00fctte und mich eilig ans Aufschliessen meines Velos mache, kommt schon eine alte Frau auf die Terrasse und weist mich zurecht: &#8222;Und de w\u00e4gruume, do mues me w\u00e4gruume!&#8220;<\/p>\n<p><iframe width=\"560\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/gDjtx54T09U\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Das Wort hat Marc, <a href=\"http:\/\/www.calypsonow.ch\/catalogue\/2013\/08\/30\/fundstucke\/\" target=\"_blank\">Stude.<\/a> Im Hintergrund: Besagte Terrasse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Darmbakterien, MRSA-Erreger (im Volksmund auch Spitalk\u00e4fer &#8211; multiresistente Bakterien), dann aber auch Hundescheisse, Sp\u00f6ifer, K\u00f6derlig, Gr\u00fcne &#8211; das tummelt sich alles auf den B\u00f6den unserer Z\u00fcge. Deshalb solle man niemals eine Tasche auf den Boden stellen, die dann sp\u00e4ter auf St\u00fchle gelegt, aufs Bett geworfen, auf einen Tisch gehoben wird. 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