{"id":679,"date":"2013-10-25T13:43:28","date_gmt":"2013-10-25T13:43:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.veloverlad.ch\/?p=679"},"modified":"2013-10-25T15:03:42","modified_gmt":"2013-10-25T15:03:42","slug":"in-die-pfanne-gehauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/?p=679","title":{"rendered":"In die Pfanne gehauen"},"content":{"rendered":"<p>Viele gute Erinnerungen verbinden mich mit der deutschen K\u00fcche. Angefangen bei den Sch\u00e4ufele in N\u00fcrnberg mit babykopfgrossem Kloss dazu, der Wirt bot jedem 100 DM, der ihn aufisst. Die W\u00e4hrung, die scheinbar viele wiederhaben wollen, steht auch f\u00fcr die Epoche &#8211; das war in den 80ern. F\u00fcr uns kleine Schweizerlein, auf Tour in West- und Ostdeutschland, war die dortige K\u00fcche immer wieder f\u00fcr eine Offenbarung gut. Und sei es auch die ber\u00fcchtigte Br\u00fchwurst auf DDR-Autobahnen f\u00fcr 1 DM &#8211; unser Schlagzeuger war danach eine ganze Nacht lang ernsthaft krank, <a href=\"http:\/\/www.calypsonow.ch\/catalogue\/2010\/03\/17\/kassetten-aus-dem-ddr-untergrund-der-80er-jahre\/\" target=\"_blank\">ich habe die Geschichte auf meinem Musikblog mal erz\u00e4hlt.<\/a><\/p>\n<p>Doch nicht nur schlechtes Essen wurde gekotzt, auch gutes. Weil Mass halten ist nicht mein Ding, es wurde mir mal das Goldfischsyndrom attestiert (frisst so lange es hat, kann dadurch zum Platzen gebracht werden). Balkanplatte ist mein grosser Favorit, verschiedenste Sorten Fleisch, Reis <strong>und <\/strong>Pommes Frites! Wir hatten auch schon mal unser Essen am Tisch stehend, in der K\u00e4lte draussen, turnend sozusagen eingenommen. Warum? Weil die Balkanplatte so fein und \u00fcppig war, dass wir fortlaufend Kalorien verbrauchen wollten, um den Genuss so richtig auszudehnen.<\/p>\n<p>Ich bin also vom Fach.<\/p>\n<p>Mein liebster Nachbar ist Mehmet, er vom Balkangrillhouse B\u00f6zingen. Bei ihm esse ich h\u00e4ufig, in den Sommerferien schon fast t\u00e4glich. Dadurch habe ich guten Einblick in die M\u00f6glichkeiten und Grenzen eines Restaurantkochs. Das ist bei uns immer wieder unersch\u00f6pfliches Gespr\u00e4chsthema: Wo kauft man die besten Pommes ein, wer verkauft anst\u00e4ndiges Lammfleisch zu einem g\u00fcnstigen Preis, wer frisches Gem\u00fcse.<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.hotel-saengerhalle.com\/\" target=\"_blank\">Das Wohl unserer G\u00e4ste liegt uns sehr am Herzen. Deshalb legen wir gro\u00dfen Wert auf Service und Gastfreundschaft.<\/a> (Aus der Webseite des Restaurants Dionysos Rheinfelden).<\/p><\/blockquote>\n<p>Das sagen sie alle, die griechischen Restaurants in Deutschland. Die m\u00fcssen alle denselben Werbetexter haben.<\/p>\n<p>Dann sollte aber folgendes nicht passieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Ich erblicke fritierte Sardinen auf der Liste der Vorspeisen (\u20ac 4.90). Sardinen, da kann ich nie widerstehen. Zur Sicherheit frage ich nach, ob es sie denn heute auch g\u00e4be. Der Kellner, welcher \u00fcbrigens den Geruch kalten Schweisses ausd\u00fcnstet: &#8222;Alles was auf der Karte ist gibt es auch. Was nicht auf der Karte ist gibt es nicht&#8220;. Paff! Ok. Ich war gerade mal 10 Minuten im Lokal.<\/li>\n<li>Da ich auch Lust auf den Bauernsalat und das selbst gebackene Brot habe, bestelle ich diese, nachdem ich mich vorher beim Keller vergewissert hatte, dass die Sardinen mir nicht schon im Vorfeld den Magen f\u00fcllen w\u00fcrden. Wieviele Sardinen es denn sein w\u00fcrden? &#8222;Das weiss ich nicht, wenn Koch Lust hat, sind es viele, wenn keine Lust, sind es weniger&#8220;. Schladaing!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als ich mich beim Abrechnen am Schluss noch  neugierig erkundige, ob die sechs Sardellen nun viel oder wenig waren, weiss er es pl\u00f6tzlich ganz genau: &#8222;Es sind immer sechs, weil dann kann man dekorieren drei links und drei rechts. Mit allem ist das so, Fisch, Crevetten.&#8220;<\/p>\n<p>Aber genug des armen Teufels &#8211; er scheint seinen Beruf wirklich nicht zu m\u00f6gen, das will ich ihm nicht verdenken, ich stehe immer noch ganz intuitiv auf der Seite des Ausgebeuteten, des Lohnabh\u00e4ngigen, ich sentimentaler Trottel.<\/p>\n<p>Lasst uns nun \u00fcber das Essen sprechen.<\/p>\n<p>Die Fische habe ich ja bereits erw\u00e4hnt. Etwas tranig, wenig gesalzen, aber daf\u00fcr gibt es ja das Salz auf dem Tisch. Sechs St\u00fcck, fingerlang (bei mir 7 cm). Ich mag das. Mit 4.90 knapp an der Grenze zur entlarvenden 5. Gleichzeitig wird mir ein bauernartiger Salat gebracht, wenig gew\u00fcrzt, wenig Essig, viel billiges \u00d6l, sicherlich nicht aus Oliven rausgepresst. Griechenland = Oliven, wir entsinnen uns?<\/p>\n<p>Vorher einen feinen Ouzo, den hatte ich vergessen, sorry. Und das Hefeweizen. Perfekt. Und absolut notwendig, um das nun folgende runterzusp\u00fclen. Folgte n\u00e4mlich ein Teller mit etwas schrumpligen Frites, einem H\u00e4mpfelchen Reis, dieser tadellos, und etwa sieben St\u00fccken Fleisch, darunter ein billig wirkendes Lammkotelettchen. Und ein weisser schwerer Haufen ohne rechten Geschmack, wohl das Tsatsiki Zaziki Du ficksch mi. Letzteres gedacht \u00fcber den Mann in der K\u00fcche, dem seine Griechit\u00e0 wohl v\u00f6llig einerlei ist, so was unstolzes gibt es sonst nur noch in der K\u00e4seabteilung der Migros, diese K\u00e4seattrappen ohne Geschmack, drauf steht wahlweise Emmentaler, Appenzeller, Greyerzer und was der heiligen Namen mehr sind. Schindluder unter dem Deckmantel einer Nationalk\u00fcche hier wie dort.<\/p>\n<p>Fatalerweise lag \u00fcber all dem der Geruch von altem Fett.<\/p>\n<p>Nun weiss ich von meinem guten Kollegen vom Kebabgrillhouse B\u00f6zingen zwei Sachen mit Sicherheit: Es ist m\u00f6glich, auch bei knappem Budget ausgezeichnete Frites einzukaufen. Er macht das n\u00e4mlich. Seine Quelle will ich hier nicht preisgeben, aber es handelt sich um einen Discounter, er hat nach umfangreichen Tests sich f\u00fcr die von Aldi entschieden. Ich bin kein Freund von Discountern, aber ich muss zugeben, eine gute Wahl.<\/p>\n<p>Zweitens weiss ich, wie wichtig ein regelm\u00e4ssiger Oelwechsel ist. Und das ist nicht billig, f\u00fcr den Betrag konnte ich jeweils meinen alten VW-Bus volltanken.<\/p>\n<p>Kurz und gut: Wer mit grossen Worten um sich wirft, sollte diese nicht durch Taten strafen. Und ich habe m\u00f6glicherweise f\u00fcr eine Weile genug von Experimenten dieser Art. Aber noch muss ich mein Ferienabo amortisieren, eine Woche bleibt mir. Ob es mich nochmals nach Rheinfelden zieht, diesmal zum beliebten Chinesen oder zum andern Griechen, das bleibt jetzt noch offen, solange ich noch den dumpfen, leicht bitteren Nachgeschmack des Alt\u00f6ls in der Kehle habe.<\/p>\n<p>Doch da kommt Biel in Sicht &#8211; jetzt sofort nach Hause zu einem ganz dicken ganz s\u00fcssen ganz grossen Espresso vom Italienerladen an der Ecke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele gute Erinnerungen verbinden mich mit der deutschen K\u00fcche. Angefangen bei den Sch\u00e4ufele in N\u00fcrnberg mit babykopfgrossem Kloss dazu, der Wirt bot jedem 100 DM, der ihn aufisst. Die W\u00e4hrung, die scheinbar viele wiederhaben wollen, steht auch f\u00fcr die Epoche &#8211; das war in den 80ern. 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