{"id":611,"date":"2013-08-22T11:58:31","date_gmt":"2013-08-22T11:58:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.veloverlad.ch\/?p=611"},"modified":"2013-08-22T14:07:47","modified_gmt":"2013-08-22T14:07:47","slug":"das-beste-am-thurgau-ist-der-direkte-zug-weinfelden-biel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/?p=611","title":{"rendered":"Das Beste am Thurgau ist &#8230;. der direkte Zug Weinfelden &#8211; Biel"},"content":{"rendered":"<p>Ich werfe dem ca. 9-j\u00e4hrigen Knaben mein verschw\u00f6rerisches Velofahrerl\u00e4cheln zu &#8211; der Nachwuchs geh\u00f6rt schliesslich gepflegt, aufgemuntert, motiviert. Sein Rad ist an Vater&#8217;s Velo angeh\u00e4ngt, man kennt diese ad hoc Tandems. Beide mit Helm. Eine k\u00fcnftige Velodynastie? Da darf ich nat\u00fcrlich nicht blicklos dran vorbei fahren, da wird gegr\u00fcsst.<\/p>\n<p><img src=\".\/bildeli\/rico.jpg\" class=\"alignright\">Allein, der Knabe sieht mich gar nicht. Sein Blick geht nach hinten, sehnend, bewundernd, wo irgend ein knallgelber Tiefgelegter, Ferrari oder so, in der Tiefe der Landstrasse verschwindet.<\/p>\n<p>Ein Thurgauer halt. Ein hoffnungsloser Fall, sobald er sich von Vater&#8217;s Hinterrad emanzipieren darf.<\/p>\n<p>Kurz vorher die Strasse nach Roggwil (TG), nach einer langgezogenen Linkskurve eines dieser Strassenopfermemorials: Ein Kreuz, vertrocknete Blumen, verdreckte Kerzen, plastifizierte F\u00f6teli liegen im Staub (&#8222;Wir vermissen Dich &#8211; Deine Klassenkameraden&#8220;). Zwei Daten, 12.12. 1990, 11.9.2011. Ein Name, Nico. Ein Kreuz, RIP. Eine Aufnahme von zwei geilen Autos bei einem wahrscheinlich gestellten \u00dcberholman\u00f6ver, die Strasse nass. Ein Computerausdruck h\u00e4ngt an der Mauer.<img src=\".\/bildeli\/klasse roggwil.jpg\" class=\"alignright\"><\/p>\n<blockquote><p>Lieber Gott, vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern &#8230;..<br \/>\nGib auch ihnen die Kraft, das Geschehene zu verarbeiten und erf\u00fclle ihre Herzen mit Zuversicht, Licht und Liebe. Wir hegen weder Groll noch Vergeltung, wir w\u00fcnschen uns lediglich, dass wir alle wieder gl\u00fccklich werden.<\/p>\n<p>Nico&#8217;s Wesen soll uns Vorbild sein.<\/p><\/blockquote>\n<p>Irgendwo dazwischen noch ein Foto eines besten Freundes, &#8222;ich bin so dankbar, dass ich dich kennen lernen durfte&#8220;, mit mir unverst\u00e4ndlichen Schlagw\u00f6rtern garniert (&#8222;Industria automobilia&#8220;).<\/p>\n<p>Ganz offensichtlich hat da einer die Kurve nicht erwischt und ist in die Mauer geprallt. Diese sieht aus wie eine Friedhofsmauer, jetzt mit dem Kreuz dran sowieso. Dahinter aber nur irgendein Gel\u00e4nde.<\/p>\n<p>Ob im Thurgau oft gestorben wird? Auf jeden Fall ist Velo fahren in diesem Kanton brandgef\u00e4hrlich, obwohl scheinbar ein dichtes Netz von Velowegen signalisiert ist. Velowege?<\/p>\n<p><img src=\".\/bildeli\/haeusermann.jpg\" class=\"alignleft\">Von Biel zum Bodensee, zur\u00fcck \u00fcber die Rheinroute Basel &#8211; Jura, das war der Plan. Die erste Etappe liess ich schon in Fislisbach (AG) ausklingen, nach zwei herrlichen Bratw\u00fcrsten und ebensovielen Flaschen Bier beim Metzger H\u00e4usermann in Lenzburg. Ich schlage mich in den Forst, da weit und breit kein Campingplatz zu finden ist. Pflanze mein Zelt in den weichen Waldboden und verkrieche mich &#8211; nach 20 Minuten schlafe ich tief wie ein Ziehbrunnen.<\/p>\n<p>Da, pl\u00f6tzlich, um vier Uhr fr\u00fch ein bl\u00f6kendes schreiendes heiseres lautes Bellen, stossweise, in gr\u00f6sseren Abst\u00e4nden. Mein Herz rast: Ein wildernder Hund? Ich sch\u00e4le mich aus dem Zelt, so leise wie m\u00f6glich nat\u00fcrlich, und hetze zu Tale, ins n\u00e4chste Dorf, wo ich auf dem Dorfplatz unter Linden zwei Stunden auf die D\u00e4mmerung warte. Kein Witz.<\/p>\n<p>Unterdessen habe ich mir sagen lassen, es sei wahrscheinlich ein Hirsch gewesen.<\/p>\n<p><img src=\".\/bildeli\/zueri bullen.jpg\" class=\"alignleft\">Item, so kann ich wenigstens in aller Fr\u00fche weiter fahren. Zur\u00fcck zum Wald, Zelt zusammenr\u00e4umen, um sieben Uhr bin ich schon wieder auf der Strecke. Gondle bald durch fr\u00fchlingshafte Aussenquartiere von Z\u00fcrich, V\u00f6glein pfeifen, Kr\u00e4utlein riechen &#8211; wer hier wohnt, wohnt fantastisch, mit Blick auf die Stadt weiter unten. Wunderbar. Ruhige Tea-Rooms, beschauliche Terrassen, belehrende Slogans wie &#8222;kill den bullen &#8211; im revier und in dir!!&#8220;. Doppelte Ausrufezeichen machen mich immer vorsichtig &#8211; da haben wir es mit Hysterikern zu tun. Ich h\u00e4tte es mir vielleicht noch \u00fcberlegt &#8211; aber so????<\/p>\n<p>Gegen Mittag bin ich in Winterthur, die Stadt ist ruhig. Irgendwie habe ich keine Lust auf die Strecke nach St. Gallen und entscheide mich stattdessen f\u00fcr den l\u00e4ngeren Weg via Frauenfeld &#8211; Kreuzlingen. Keine so gute Idee. Viel Verkehr und trotzdem beschleunigt unterwegs, von Sicherheitsabstand haben viele noch nie was geh\u00f6rt. Ich werde h\u00e4ufig knapper \u00fcberholt als gewohnt, k\u00e4mpfe mich in grosser Hitze meinem Ziel entgegen, schliesslich wird die Mutter mit Garantie eine Ankunft zur normalen Essenszeit erwarten.<\/p>\n<p>Anderntags nehme ich den R\u00fcckweg unter die R\u00e4der. Der Plan ist, in drei Tagen \u00fcber Singen &#8211; Waldshut &#8211; Basel nach Biel zu fahren. Ein heisser Sonntag. Eine idyllische Uferpromenade bei Rorschach. Ein Netz von Velowegen, die urpl\u00f6tzlich in Kieswege m\u00fcnden, unvermittelt in die H\u00fcgel hinein f\u00fchren, in weiten Schleifen durch die Rheinauen sich winden. Nach einem Umweg von 10 km auf einer Distanz von deren 30 wird es mir dann zu viel. Da ohne Karte unklar ist, wohin diese Wege letzlich f\u00fchren werden und wie deren Beschaffenheit ist, erfahrungsgem\u00e4ss eher holprig, ergebe ich mich in mein Schicksal als Veloverlader. Und suche die Station heraus, die einen direkten Zug nach Biel anbietet. Weinfelden.<\/p>\n<p><img src=\".\/bildeli\/weste.jpg\" class=\"alignleft\">Es geht nun darum, auf dem direktesten Weg von Rorschach nach Weinfelden zu kommen. Die Velowege habe ich frustriert aufgegeben. Die Landstrassen aber, die sind wie weiter oben schon gesagt im Thurgau brandgef\u00e4hrlich. Die erfrechen sich tats\u00e4chlich, einen Velostreifen von nur einem Meter mit einer durchbrochenen gelben Linie abzutrennen. Ein Meter. Dabei betr\u00e4gt der Sicherheitsabstand schon 1 Meter 50! Den nat\u00fcrlich kein Thurgauer einzuhalten gedenkt. Witzigerweise aber \u00e4ndert sich das, kaum habe ich meine gelbe Signalweste angezogen, der Hitze zum Trotz. Jetzt machen die Kerle doch tats\u00e4chlich einen Bogen!<\/p>\n<p>Ich werde mir eine Signalweste mit dem Aufdruck &#8222;Polizei&#8220; beschaffen m\u00fcssen, das wird Wunder wirken.<\/p>\n<p>Man kann nun nicht sagen, das Thurgauer Strassenverkehrsamt oder die Thurgauer Polizei, kurz die Beh\u00f6rden t\u00e4ten zu wenig f\u00fcr das Velo. Schliesslich will der Kanton ja auch eine Tourismusregion sein. Scheint allerdings nicht super zu laufen, ich sehe etliche \u00dcbernachtungsangebote f\u00fcr nur 45 Franken. Das entspricht einem Abschlag von mindestens 50 Prozent, sch\u00e4tze ich.<\/p>\n<p>Da gibt es wie gesagt die Velowege. Gut f\u00fcr kleine Ausfl\u00fcge. Nichts f\u00fcr den Tourenfahrer. Dem sei die Strasse empfohlen. F\u00fcr die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung sorgen fix installierte Radarfallen. Sie sind schon von weitem zu sehen, die Standorte wohl bekannt, bei einem Beispiel sah ich sogar so 20 Meter vorher noch das Warnschild &#8222;Halt bevor&#8217;s knallt&#8220; &#8211; und ich muss wirklich sagen, die Massnahme tut ihre sichtbare Wirkung.<\/p>\n<p>Ich habe dort eine Weile fotografiert &#8211; Bremslichter habe ich fotografiert. Weil n\u00e4mlich fast jedes Auto diese kurz vor dem Passieren der Anlage aufleuchten liess.<\/p>\n<p>PS: !!!!!<br \/>\n<img src=\".\/bildeli\/blechpolizist.jpg\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich werfe dem ca. 9-j\u00e4hrigen Knaben mein verschw\u00f6rerisches Velofahrerl\u00e4cheln zu &#8211; der Nachwuchs geh\u00f6rt schliesslich gepflegt, aufgemuntert, motiviert. Sein Rad ist an Vater&#8217;s Velo angeh\u00e4ngt, man kennt diese ad hoc Tandems. Beide mit Helm. Eine k\u00fcnftige Velodynastie? 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