{"id":312,"date":"2013-01-12T23:24:04","date_gmt":"2013-01-12T23:24:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.veloverlad.ch\/?p=312"},"modified":"2013-01-15T05:44:54","modified_gmt":"2013-01-15T05:44:54","slug":"gegrillte-entenzungen-gekochter-schweinsdarm-die-echte-wiener-kuche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/?p=312","title":{"rendered":"Gegrillte Entenzungen, gekochter Schweinsdarm &#8211; die echte Wiener K\u00fcche"},"content":{"rendered":"<p>Noch nie hatte ich eine Ferienwoche so minuti\u00f6s vorbereitet &#8211; die ganze Nacht vor der Abreise hab ich mir den Bildschirm um die Ohren geschlagen, um ja kein kulinarisches Highlight Wiens zu verpassen. Beiz um Beiz habe ich ins OneNote gedruckt, mein eigener Restaurantf\u00fchrer am Bildschirmrand.<\/p>\n<p>Gut, es war bei allem Zeitaufwand relativ einfach, weil ich ziemlich rasch auf die total schr\u00e4ge Seite <a href=\"http:\/\/www.restauranttester.at\">restauranttester.at<\/a> stiess. Irgendwie Spinner, dachte ich bei mir, obsessive Hobbytester, die sich des Langen und Breiten \u00fcber den Eingang zur Beiz, die Speisekarte, das Nichtl\u00e4cheln des Personals, fehlendes Nachfragen, ob Dessert, aufhalten k\u00f6nnen. Am Schluss wird sich noch die Toilette kontrolliert, und wehe, es ist nur ein gew\u00f6hnliches WC. Weiters laden sie dutzende Bilder von der Eingangst\u00fcr hoch, zwischendurch gl\u00fcckt auch ein Schnappschuss einer Speise, oft unscharf wegen der geheimdienstlichen Mission, aber die Bilder geben halt Punkte.<\/p>\n<p>Punkte wozu? Wer so fragt, hat keine Ahnung von gelungener Motivation, weiss nicht, wie einfach Menschen zu gratis Fronarbeit bereit sind, wenn man ihnen Anerkennung bietet &#8211; sie beispielsweise als &#8218;Experte&#8216; zu betiteln beginnt, wenn sie nur genug derer Punkte gesammelt.<\/p>\n<p>Noch ein Schlenker gef\u00e4llig? Gerne doch. Die Experten bewerten doch tats\u00e4chlich regelm\u00e4ssig und ganz ernsthaft das abgezapfte Bier im Chinarestaurant. Wien. Grien.<\/p>\n<p>Ich reiste also an mit sicher 50 Restauranttipps im K\u00f6cher. F\u00fcr f\u00fcnf Tage.<br \/>\n<img src=\".\/bildeli\/wettbuero.jpg\" class=\"alignright\"><\/p>\n<p>Ohne Velo, nat\u00fcrlich. Wien hat ja erst seit Kurzem einen Fahrradbeauftragten. Da warten wir noch ein bisschen, bis er Wirkung entfaltet. Sie haben dort \u00fcbrigens, ganz neu, eine Fussg\u00e4ngerbeauftragte. Irgendwo habe ich gelesen, auch eine Hundekegelbeauftragte. Wien, k.u.k., heute noch.<\/p>\n<p>Ich habe noch nie versucht, das Velo in den Railjet der OeBB zu verladen. Wozu auch? Wien ist die Stadt der U-Bahnen, Strassenbahnen, Nahverkehrsz\u00fcge und der Busse. Bei fast jeder Haltestelle leiert der Lautsprecher adrett zusammengesetzte Textbausteine herunter, an welches Verkehrsmittel man hier nun Anschluss h\u00e4tte &#8211; bl\u00f6d, ich habe es nicht aufgenommen, weil das wird so richtig hart aneinandergeschnitten, mit verschiedenen Stimmen und Tonf\u00e4llen, es ist jedesmal ein Zusammenzucken, wenn am Schluss der Durchsage in doppelter Lautst\u00e4rke noch ert\u00f6nt &#8222;UND AN DIE Z\u00fcGE DES REGIONALVERKEHRS!&#8220;<\/p>\n<p>Um diesen Teil zu Ende zu bringen, hier die Konsumenteninformationen. Am Montag anreisen, ein Wochenticket f\u00fcr die Kernzone 100 = Stadt Wien = alles was man braucht kaufen, 15 \u20ac, danach freier Verkehr auf allen Verkehrsmitteln. Der Hammer, sag ich euch. Die U-Bahnen fahren permament ab ca. 5:00 bis 0:30, ich habe nie l\u00e4nger als 5 Minuten auf eine Bahn gewartet. Die Feinverteilung dann mit dem Tram ist \u00e4hnlich effizient, Wartezeit war bei mir maximal 10 Minuten. Und da man sich ja nix zu tun hat, ausser nach Beisln Ausschau halten, deren es an jeder Ecke mehrere hat, ist da \u00fcberhaupt keine Eile notwendig, kein Druck parat (ich versuche mich \u00fcbrigens gerne ein wenig in Wiener Grammatik, h\u00e4tten&#8217;s gmerkt?).<\/p>\n<p>Damit w\u00e4ren wir wieder beim Thema. Beizen. Essen. Das einzige, was die Wiener mit Leidenschaft zu betreiben scheinen. Ausser Einkaufen. Oder Bier trinken. Oder granteln. Sie nennen das scheints Schm\u00e4h. Euphemismus ist eine Wiener Erfindung. Weil beim Wort Schm\u00e4h denken sich alle Ausw\u00e4rtigen an etwas Kulturelles. Dabei &#8211; Z\u00fcrcher sind gegen diese Wiener so richtig ein fr\u00f6hliches, weltoffenes V\u00f6lklein. In neuster Zeit scheint das allerdings sogar zu stimmen. Ich muss mir meine Z\u00fcri-Aversion glaubs langsam abschminken. Schon wieder ein Alleinstellungsmerkmal weniger.<\/p>\n<p>Der Empfangschef im Hotel Cyrus, wo ich zu einem Hammerpreis unterkam, hatte einen Akzent, war wohl kein Original Wiener &#8211; richtig freundlich war er, ich kam mir f\u00fcr einmal nicht wie ein Dorfdepp vor, der stumpfsinnig l\u00e4chelnd auf die Leute zugeht, um wieder und wieder durch kalte Indifferenz abgeb\u00fcgelt zu werden. Auch die kleine Bar gegen\u00fcber, Gloria, ein echtes Raucherlokal, konnte mich wieder mit der Welt vers\u00f6hnen. Ein nettes Inhaberpaar, sie an der Bar, er sorgt f\u00fcr den Umsatz, indem er sich dem Kartenspiel mit den Kunden hingibt. Und sie haben richtig schnelles Wlan. Und Budweiser vom Fass.<\/p>\n<p><img src=\".\/bildeli\/schallplatten brigitte.jpg\" class=\"alignleft\">Das ist die Laxenburgerstrasse. Im 10. Bezirk. Nicht grad das Wien des Opernballs; der gr\u00f6sste Laden war ein Sexshop mit wirklich tollen Ganzk\u00f6rperpijamas in Rosa, getigert oder mit L\u00f6chern \u00fcberall, um nur 49 Euro. Es hat nicht viel gefehlt &#8211; vielleicht n\u00e4chstes Mal dann.<\/p>\n<p>Und dann Schallplatten Brigitte. Ein sch\u00f6ner Laden, noch voll im Schuss, obwohl laut Zettel an der T\u00fcr schon seit einiger Zeit geschlossen, Schlager und volkst\u00fcmlicher Schlager in allen Fenstern, und in der Mitte dieses Schild.<\/p>\n<blockquote><p>Michael Jackson Singles lagernd<\/p><\/blockquote>\n<p><img src=\".\/bildeli\/michael jackson singles lagernd 2.jpg\" class=\"alignright\"><\/p>\n<p>Dieses Quartier musste mir einfach gefallen. Da haben sich zwei gesucht und gefunden.<\/p>\n<p>Viele Wettlokale. Sportwetten an jeder Ecke. Die Filiale der Stadtbibliothek im Bezirk ist spezialisiert auf fremdsprachige Literatur. Serbisch, kroatisch, t\u00fcrkisch. Der Saturn am Columbusplatz: riesig, vor allem Wasch- und andere Haushaltsmaschinen, Kids, die sich um die neusten Pads scharen, ein paar uninteressante CD und DVD. Der Mainstream des Mainstreams.<\/p>\n<p>Im selben Geb\u00e4ude der neuste Gag der Wiener Gastronomie: ein Running Sushi. Schlappe, n\u00e4ssende rosa und gr\u00fcne Teilchen laufen den ganzen Tag an einem Fliessband an den paar G\u00e4sten vorbei, die nur den Arm ausstrecken brauchen, um sich soviel zu fischen wie sie m\u00f6gen, zu einem l\u00e4cherlichen Pauschalpreis. Es war grad Grippesaison in Wien in dieser Woche. Hoffentlich sind die ungesch\u00fctzten Sushi nicht krank geworden, so nah, so oft im Kreise gedreht.<\/p>\n<p>Ja, das Quartier ist Hardcore. Aber es geht sich noch h\u00e4rter &#8211; eine Station weiter, Endstation der U-Bahn, Reumannplatz. Dort hatte ich ein eher unwohles Gef\u00fchl, im Dunkeln, schlecht beleuchtete Ecken. Es war grad \u00dcberfallsaison in Wien &#8211; Vergewaltigungen und sonstige Gewalt in der U-Bahn, der video\u00fcberwachten, Handtaschenr\u00e4uberp\u00e4rchen, so stand es jedenfalls in der Zeitung. Allerdings gibt es in Wien nur Boulevardzeitungen, wenigstens fast. Da ist unser Blick ein gehobenes Intelligenzblatt dagegen. Nicht eine einzige Meldung, die frei von Ressentiments, Hetze oder ideologischer Verdrehung w\u00e4re. Unglaublich.<\/p>\n<p>Seid Ihr noch da? Nun, im Titel war ja nie die Rede von Engelszungen.<\/p>\n<p>Kommen wir zu den Entenzungen. Ich habe die ganzen Tage in Wien nie anders als asiatisch gegegessen. Und ich war nur in zwei Restaurants zweimal. Halt, im Wok &#038; More dreimal. Die Berichte in restauranttester.at w\u00fcrdet ihr am besten selbst nachlesen. Dort wo noch nicht alles gesagt war habe ich mich zu Wort gemeldet. Habe daf\u00fcr den B.B. wieder hervor geholt. Am Ende des Beitrags hier stehen dann die Links.<br \/>\n<img src=\".\/bildeli\/schweinedarm.jpg\" class=\"alignleft\"><br \/>\nNur eins noch: Ich wollte es auf restauranttester.at nicht so offen schreiben, aber der Schweinedarm hatte tats\u00e4chlich noch diesen leichten Geruch von Darmausgang. Vor allem dann, wenn ich Rosette kaute. He, das ist \u00fcberhaupt kein Problem. Es war alles geputzt und sauber. Aber das ist halt wie mit dem Zigarettenrauch. Den bringt man auch nicht mehr weg.<\/p>\n<h2>Hier war es gut<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/www.restauranttester.at\/wok-more.html\">Wok &#038; More am Karlsplatz, fein<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.restauranttester.at\/restaurant-zhong-xin-im-chinazentrum.html\">Die Entenzungen&#8230;<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.restauranttester.at\/product.php?productid=11554\">Mein erster Wiener Chinese, zeitlich gesehen<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.restauranttester.at\/product.php?productid=1604\">Die Top-Empfehlung von mir!<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.birghotels.com\/hotel_cyrus\/\">Das Hotel<\/a><br \/>\n<img src=\".\/bildeli\/plasma2.jpg\" class=\"alignright\"><\/p>\n<h2>Noch was:<\/h2>\n<p><img src=\".\/bildeli\/plasma1.jpg\" class=\"alignleft\"><br \/>\nIst es Zufall, dass in der Gegend ein sogenannter Plasmapunkt war, ein wenig abseits in einer Seitengasse, klandestin die T\u00fcr verschlossen, kein Klingelschild, wohl nur auf Anmeldung. Und in der U-Bahn diese Plakate hingen, wo an den Heldenmut der Spender appeliert wurde und gleichzeitig eine Aufwandsentsch\u00e4digung &#8222;f\u00fcr Ihre Zeit&#8220; von 20 Euro ausgelobt war, und dass die Plakate ausgerechnet in den h\u00e4rteren Gegenden zu finden waren? Ein Argument war auch noch, dass man dann grad gratis \u00e4rztlich untersucht ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.krone.at\/Stars-Society\/Katzi_Ich_gehe_mit_dem_Richard_auf_den_Opernball-Von_wegen_Trennung-Story-347382\">Das h\u00e4rteste in Wien aber ist sowie der alte Lugner mit seiner Katzi. Die Nachfolgerin von Mausi. Der Mann hat seinen eigenen Stadtteil, die Lugner City. Mit eigener Haltestelle. Das muss man gesehen haben. Das Foto, wenn der Link denn bleibt, ist in der Lugner City aufgenommen. Trash as trash can.<\/a> <\/p>\n<p>Ich glaube, ich liebe diese Stadt.<\/p>\n<p>PS: Im Zug, zur\u00fcck in der Schweiz, der erste Zeitungsartikel im 20 Minuten: Designerin und Model Blanda Eggenschwiler (27) ist frisch verliebt. Ich weiss, es liegt an mir, wenn sie nicht kenne. Designerin? Ah, da steht&#8217;s ja: Blanda stellt heute Abend im Club Cabaret ihre Kollektion von selber designten Handyh\u00fcllen vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch nie hatte ich eine Ferienwoche so minuti\u00f6s vorbereitet &#8211; die ganze Nacht vor der Abreise hab ich mir den Bildschirm um die Ohren geschlagen, um ja kein kulinarisches Highlight Wiens zu verpassen. Beiz um Beiz habe ich ins OneNote gedruckt, mein eigener Restaurantf\u00fchrer am Bildschirmrand. 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