{"id":1218,"date":"2015-04-13T14:45:34","date_gmt":"2015-04-13T12:45:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.veloverlad.ch\/?p=1218"},"modified":"2015-04-21T14:23:41","modified_gmt":"2015-04-21T12:23:41","slug":"wirten-kann-jeder-18-monate-lang-allerihochstens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/?p=1218","title":{"rendered":"Wirten kann jeder &#8211; 18 Monate lang, allerih\u00f6chstens"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.veloverlad.ch\/bildeli\/cordonbleu_rebstock.jpg\" alt=\"Ein Cordon Bleu in einem der erw\u00e4hnten Bieler Restaurant, ziemlich \u00fcbel\"><\/p>\n<p>Ich denke, 18 Monate hat es das Restaurant Zur Br\u00fccke hier in Biel-B\u00f6zingen nicht ausgehalten. Es war vielleicht ein knappes Jahr. Anfangs Monat habe ich die Wirtsfrau das Dach des Fumoir-Anbaus schrubben sehen, sonst war schon leer ger\u00e4umt, und nun ist niemand mehr da, die Storen bleiben unten.<\/p>\n<p>Die Vorg\u00e4nger hatte ich auch noch erlebt, sie gaben ebenfalls nur ein kurzes Gastspiel. Diese waren aber, von blossem Auge sofort erkennbar, heillos \u00fcberfordert und plauderten lieber mit ihren auf ein K\u00e4feli reingeschneiten Bekannten als sich um Essensg\u00e4ste zu k\u00fcmmern. Leute, die sich mit irgendeinem Kapital einen kurzen Abstecher ins Unternehmertum g\u00f6nnten. Von Wirten, Gastronomie, Gastfreundschaft keinen blassen Schimmer. Die tun mir ein bisschen leid, denn wahrscheinlich haben sie da irgendein Verm\u00f6gen durchgebracht, sei es ein Erbe, sei es die Pensionskasse.<\/p>\n<p>Beim Nachfolger sah es schon besser aus &#8211; da hing sogar der Men\u00fcplan der Woche aus, und es gab nicht immer nur Teigwaren oder Reis, Junggesellenk\u00fcche, Pouletschenkel, rasch Hingehauenes, auf jeden Fall hatte mich ein Men\u00fc interessiert und ich wollte an diesem Tag dann sicher vorbei gehen. Vorher aber hatte ich mich noch beim Wirt erkundigt, ob er wohl die Herkunft des Fleisches deklarieren k\u00f6nnte, diese Angabe fehlte auf der Karte.<\/p>\n<p>Er hat passiv-aggressiv reagiert, das mag ich ganz besonders gerne. Und ich bin da nie da Essen gegangen, weil w\u00e4hrend der ganzen Zeit blieb die Wochenkarte praktisch unver\u00e4ndert, und das Fleisch wurde nie deklariert. Und jetzt ist also zu. Und noch kein Nachfolger in Sicht.<\/p>\n<p>Nur ein paar Schritte weiter, im Rebstock, dort sind wir M\u00e4nner im \u00dcbergw\u00e4ndli. Manchmal ist es nicht schlecht. So zwei, dreimal pro Monat steht etwas auf der Tafel draussen, was ich nicht selber schnell in die Pfanne hauen kann, Braten mit Kartoffelstock etwa. Dann esse ich dort, mit Trinkgeld etwa 22 Franken, das ist f\u00fcr unsere Gegend eher teuer. Und wenn er dann, wie heute, f\u00fcr dieses Geld nur Pouletschenkel auf den Tisch bringt, oder Spaghetti, oder Pizza, oder Reis mit Geschnetzeltem, dann ist das nix f\u00fcr mich. Kann ich ja grad so gut im Migros essen.<\/p>\n<p>Der Koch findet sich selber aber wahrscheinlich gut. Weltl\u00e4ufig. Jeder Teller wird vor Verlassen der K\u00fcche mit einer Balsamico-Karikatur abgespritzt, die unbeschreiblich gruusig ist, wirklich. Letztes Mal fand sie sich sogar auf einem Teil der Pommes Frites. Ich habe aber Angst, bei der Bestellung diese weglassen zu lassen, weil er mir dann vielleicht in die Sauce spuckt, dem Banausen, dem Zweifler an seiner Kunst.<\/p>\n<p>Eigentlich w\u00e4re ich ja jetzt beim Essen statt am Schreiben hier, aber ich bin nun eine geschlagene Stunde mit dem Velo durch die Stadt gekurvt auf der Suche nach einem anm\u00e4cheligen Menu, irgendwo. Furchtbar, diese Abgr\u00fcnde, \u00fcberall nur Convenience, Schnellbleiche, wo&#8217;s garantiert keinen Koch braucht, aufw\u00e4rmen langt. Bratwurst mit Zwiebelsauce und R\u00f6sti-Ecken. Die Sauce aus dem Sackerl, die Ecken aus dem Packerl. Jede Wette, da brauch ich gar nicht rein gehen dazu.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich, ein d\u00fcsteres Restaurant in Mett, seit sicher dreissig oder vierzig Jahren unver\u00e4ndert grauslich eingerichtet, dort ist der Koch nicht mal gen\u00fcgend interessiert, die Menutafel rauszustellen, die steht versteckt im Eingangsbereich drinnen, das Men\u00fc war Kartoffelstock Braten Suppe Salat, G\u00e4ste hat&#8217;s da fast keine: Die Suppe war schon aus, und als ich antwortete, doch, das macht etwas, wurde mir vorgeschlagen, man k\u00f6nne mir eine Bouillon machen. Eine Bouillon. Die kennen keine Scham, weil sie es einfach nicht besser wissen, wie Adam und Eva, bevor die Schlange da war.<\/p>\n<p>Manchmal t\u00e4te ich gerne zeichen k\u00f6nnen wie Wolinski und diesen K\u00f6chen jeweils ein Portr\u00e4t hinterlassen &#8211; oder besser noch, wie Reiser, der mit den schmuddligen Unterhemden, durchh\u00e4ngenden Unterhosen, Stachelbeeren h\u00e4ngen raus.<\/p>\n<p>Kurz &#8211; heute also die ganze Tour gemacht und beim allerbesten Willen nichts gefunden f\u00fcr das normale Budget. Am Schluss bin ich dann halt noch in ein Migros Restaurant, ohne rechte \u00dcberzeugung, und es brauchte nicht viel, mich wieder umkehrt machen zu lassen. Pastetli-Pommes Frites w\u00e4re die Wahl gewesen, das ist mein Ausweichmenu, wenn gar nichts geht, aber das geht immer. Nicht so diesmal. Die Pommes Frites warteten, schon gebacken, in der Stahlwanne, neben der Pastetlif\u00fcllung in der anderen Stahlwanne, oben hatte sie schon einen leichten Belag. Noch kurz die anderen Auslagen im B\u00fcffet ausgecheckt: Unglaubliche Sachen lagen da um 13:00 Uhr in den Wannen, eine noch ganz unber\u00fchrt, Teigwaren mit eingetrockneter Tomatensauce haben sich in mein Entsetzen eingebrannt, wie ist so was m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Mein Mittagessen war am Schluss eine kalte Dose Cola.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich denke, 18 Monate hat es das Restaurant Zur Br\u00fccke hier in Biel-B\u00f6zingen nicht ausgehalten. Es war vielleicht ein knappes Jahr. Anfangs Monat habe ich die Wirtsfrau das Dach des Fumoir-Anbaus schrubben sehen, sonst war schon leer ger\u00e4umt, und nun ist niemand mehr da, die Storen bleiben unten. Die Vorg\u00e4nger hatte ich auch noch erlebt, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":""},"categories":[6],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1218"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1218"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1218\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1220,"href":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1218\/revisions\/1220"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1218"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1218"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.veloverlad.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}